Die Gnade der Taufe

Alles beginnt mit der Taufe. Für Benedikt und Scholastika - wie für jeden Christen -  ist der Ruf zur Heiligkeit in dieser Gabe Gottes begründet. Die Taufe ist ein Geschenk Seiner Barmherzigkeit, welches uns von der Erbsünde befreit. Die Taufe ist zugleich ein Geschenk der Liebe Gottes, durch das der Mensch in das trinitarische Leben hineingenommen wird.

Der Same ist gesät und birgt eine unermessliche Kraft göttlichen Lebens in sich. Dieser Same wird im Leben der Familie und der christlichen Gemeinschaft gepflegt. Die Familie als Hauskirche und die Pfarrei als Ortskirche geben das Geschenk des Glaubens weiter: die Erkenntnis des Vaters und die Erfahrung Seiner Liebe. Sie begleiten die ersten Schritte des Lebens in Christus. Sie erziehen zu geschwisterlicher Liebe, zu Gehorsam und Demut.

Subiaco und Monte Cassino haben ihren Ursprung in Nursia, wo Benedikt „an Gnade und Weisheit vor Gott und den Menschen“ wuchs. In einer Zeit, in der der Arianismus weit verbreitet war, wurde er im orthodoxen Glauben unterwiesen. Er bekannte die Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater. Er empfing die Eucharistie. Er lernte, sein ganzes Leben unter das Zeichen des Ostergeheimnisses zu stellen.

Das Leben aus der Taufe heraus ist eremitisch. Es begründet eine einzigartige, persönliche Beziehung zwischen dem Vater und jedem seiner Kinder. Unter dem Blick des Vaters wandelt sich Furcht in Liebe, Dienst wird zu Freiheit, und der Einzelne findet zurück zu seiner tiefsten Identität.<br><br>Das Kind Benedikt ist der Vater des Mönchs und des Abtes, des Eremiten und des Oberen. Er ist ein Freund der Einsamkeit und des Schweigens, die ihn allein für Gott öffnen. Er hat gelernt, auf die Stimme des Heiligen Geistes zu hören und seinen Eingebungen zu folgen. Das Gebet entspringt einer Quelle in seinem Herzen. Das Wort Gottes wohnt in seinem Gedächtnis. Geistliches Verlangen durchdringt und belebt nach und nach sein ganzes Sein.

Das Leben aus der Taufe ist ein gemeinschaftliches Leben. Es fügt uns in die Gemeinschaft ein und führt uns zur Eucharistie, in der es Sonntag für Sonntag, Tag für Tag, erneuert und vertieft wird. Es lenkt unseren Blick auf unsere Brüder und Schwestern, in denen uns der auferstandene Herr am nächsten ist – damit wir ihnen dienen und sie lieben, besonders in den Leidenden und Schwächsten. Und es sendet uns an die Ränder der Gesellschaft, wo der Heilige Geist bereits am Werk ist, um die Herzen für Christus zu öffnen und sie auf die Botschaft des Evangeliums vorzubereiten.

Nach Nursia zu reisen und den Spuren des heiligen Benedikt und der heiligen Scholastika zu folgen, bedeutet, die Taufquellen unseres eigenen Klosterlebens zu besuchen. Jeder ist eingeladen, über die eigene Geschichte nachzudenken und in sich selbst wieder die Verbindung zu dem Kind Gottes zu finden, das wir durch die Taufe geworden sind.

In der monastischen Berufung wird die Weihe der Taufe für die ganze Kirche auf höchste Weise sichtbar. Mönche und Nonnen sind lebendige Zeichen für die Liebe des dreifaltigen Gottes zu jedem einzelnen Menschen. Die Gemeinschaft selbst ist das Zeichen und die Frucht jener Liebe, welche sie in der Liturgie feiert.

Jeden Tag führt uns die Taufe in der Kraft des Geistes hinein in die Wüste, um dort dem lebendigen Gott zu begegnen und ihm zu dienen.

Jeden Tag fordert uns die Taufe dazu auf, unser Leben zu einem Geschenk für die Kirche zu machen, damit Gott in allem, was wir tun und in allem, was wir sind, verherrlicht werde.

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